Mütter im Stadtteil, Mütter für den Stadtteil, Stadtteilmütter für St. Leonhard

Seit Oktober 2011 führt die SinN-Stiftung  das Projekt „Stadtteilmütter für St. Leonhard.“

Ziel des Projektes ist, einerseits russisch-sprachige Frauen zu qualifizieren und andererseits Integration und Teilhabe von isoliert lebenden Zuwandererfamilien zu verbessern.

Innerhalb des Projekts werden russischsprachige Zuwanderinnen mit fester Bleibeberechtigung mit guten Deutschkenntnissen gewonnen, die während einer drei-monatigen Schulungsphase familienrelevante Informationen über soziale und diakonische Einrichtungen, über Erziehung, Bildungssystem und Arbeitsmarkt, über Ernährung und Freizeitverhalten und über medizinische und psychosoziale Versorgungeinrichtungen vermittelt bekommen. Die geschulten Frauen bauen Kontakt zu russischsprachigen Familien auf, die von sozialen Beratungsstellen und kirchlichen Institutionen nur schwer erreicht werden und versorgen sie mit Informationen. 

Seit 2013 haben sich die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Projektes auf Flüchtlingsfamilien spezialisiert, weil der Bedarf an russischsprachiger Unterstützung aufgrund von Neuzuwanderung vor allem tschetschenischer Flüchtlinge stieg. In den vergangenen sechs Jahren haben anfangs sechs und zuletzt neun Stadtteilmütter (russlanddeutsche Christinnen und jüdische Kontingentflüchtlinge) 42 Flüchtlingsfamilien mit 77 Kindern und 64 Erwachsenen betreut und unterstützt, die überwiegend aus den mittelasiatischen Republiken stammen und dem Islam angehören. Deshalb kommt es im Projekt Stadtteilmütter nicht nur zu regen interkulturellen sondern auch zu interreligiösen Kontakten.

 

Ein Blick in die Flüchtlingsarbeit der Stadtteilmütter: Der Rollstuhl ist noch hier. Die Flüchtlingsarbeit der Stadtteilmütter ist in den letzten Jahren anstrengend und traurig, weil Flüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion nur noch ganz selten mit der Anerkennung ihrer Fluchtgründe rechnen können, obwohl sie aus unserer Kenntnis schwerwiegende Fluchtgründe haben. Ihnen werden keine fairen Integrationschancen eröffnet, obwohl die Familien integrations- und arbeitswillig sind. Sie erhalten keinen Zugang zu Sprachkursen und keine Erlaubnis, eine Ausbildung zu absolvieren oder eine Arbeit anzunehmen, selbst wenn Arbeitgeber sie als Mitarbeiter anstellen wollen. Egal ob unsere Klienten aus Aserbaidschan, Tschetschenien oder der Ukraine kommen, seit 2015 fallen sie in die Rubrik derer, die „schlechte Bleibechancen“ haben. Der Begriff ist eine Art Arbeitsanweisung an die Mitarbeiter des Bundesamtes und der Ausländerbehörden und bedeutet faktisch, dass den Menschen aufgrund ihrer Herkunft hier keine Integrationsmöglichkeiten eingeräumt werden. Das ist sehr traurig, denn unsere Klienten haben Krieg, Folter und Vergewaltigung erlebt und sind schutzbedürftig.Die Stadtteilmütter gehen mit íhnen durch tiefe Krisen und große Ängste.

Familie Gezuev war eine unserer Klientenfamilien, die im September 2018 morgens um halb sechs ausgewiesen wurde. Wir haben sie fünf Jahre lang betreut, wissen um die Bemühungen des Vaters, hier in Nürnberg arbeiten zu dürfen und die Qual des Nichtstuns, zu der ihn die Behörden verdammt hatten. Die Ehefrau ist auf einen Rollstuhl angewiesen, seit sie von russischen Soldaten misshandelt wurde. Vier Tage lang wurde sie in einem Keller gefangen gehalten, erzählte aber nie, was genau ihr angetan wurde. Nach ihrer Freilassung erkrankte sie an einer schweren Angina, in der Folge verursachte wahrscheinlich ein Entzündungsvirus Lähmungen zuerst in den Beinen, dann auch in anderen Körperteilen. Der neunjährige Sohn hatte fast sein ganzes Leben in Deutschland verbracht. Er besuchte die vierte Klasse, war ein sehr guter Schüler und wollte Arzt werden.

Zwölf Stunden lang musste die Familie im Transitbereich des Münchner Flughafens ohne Essen und Trinken verbringen, bevor sie nach Moskau fliegen musste. Dort erhielten sie ihre Handys zurück und schrieben uns eine Nachricht: „Wir wurden abgeschoben und haben kein Geld, um nach Tschetschenien weiterzureisen.“




Ansprechpartner

Irina Gerasimov

Betreuungsassistentin, Kinderpflegerin, Koordinatorin der "Stadtteilmütter für St. Leonhard"

Irina Gerasimov, geboren 1972 in Omsk (Russland). Nach einem Pädagogik- und Jura-Studium arbeitete sie 12 Jahre lang als Untersuchungsrichterin in Russland. Nach der Übersiedelung nach Deutschland
war es für die alleinerziehende Mutter eines kleinen Sohnes schwierig, sich beruflich zu etablieren. 2012 ließ sie sich zur Betreuungsassistentin für Altenheime ausbilden, seit 2013 arbeitet sie als
Kinderpflegerin zunächst in einem Hort und dann in einem Kindergarten.

„Als ich nach Deutschland kam, war es für mich sehr schwer, aber es gab Menschen, die mir geholfen haben. Bei der SinN-Stiftung investiere ich Zeit und Kraft, damit sich andere Menschen so in diesem
Land integrieren können, wie ich es tat.“


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E-Mail: iren.boger@mail.ru


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Dieses Projekt wird gefördert von Schwan-STABILO Cosmetics GmbH & Co. KG

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